VOKABULARIUM

 

 

A

Anweisung | «Mir fiel auf, dass eine exakte Übersetzung des Vogelgesangs unmöglich ist, sodass hier die Anweisungen einsetzen. Der Anweisungsgedanke entstand aus der Erkenntnis, dass unsere Art des Komponierens beschränkt ist, und aus dem Vorschlag einer Alternative zu den normalen westlichen klassischen Notensätzen.» Yoko Ono, in: Du, Nr. 852, 11.2014

 

Atelier | altfranzösisch astelier, ursprünglich Haufen von Spänen und danach Bezeichnung für die Werkstatt des Zimmermanns; heute Bezeichnung einer Arbeitsstätte für geistiges, künstlerisches und handwerkliches Schaffen

 

Autorenschaft | 1. Die ungeklärte Autorenschaft; der anonyme Architekt der Vergangenheit | 2. Die deutliche Autorenschaft; der bekannte Architekt seit der Renaissance | 3. Die mehrdeutige Autorenschaft; bspw. Fun Palace, 1960er [u.a. Cedric Price]: Projekt erstellt im Kollektiv [siehe Kollektiv]; offenes Programm, dynamische Form und Organisation, Partizipation und Anpassbarkeit fordern die Autorenschaft heraus | 4. Die losgelöste Autorenschaft? Der Architekt der Globalisierung, Spezialisierung, Digitalisierung. Vgl. Architecture and Authorship, 2007

B

Baugerüst | Begrenzung für die Ekstase des Bauens

C D E 

F

Fenster | «Das Fenster muss das grosse Zuviel des Draussen ausgleichen.» Rainer Maria Rilke, in: Les Fenêtres, 1926

G

Gedankenwerk | 1. Utopie; geistiger Inhalt, der nicht umsetzbar ist  | 2. geistiger Inhalt mit

Realitätsanspruch; oft als Utopie getarnt

H

I

Ingenieur, geistvoll | Konstrukteur und Entwerfer zugleich, der durch gedankliche Originalität und Verstand, Scharfsinn und Witz besticht, den Dialog schätzt und transdisziplinär denkt

 

interdisziplinär | zwischen den Disziplinen agierend, nicht an Grenzen rüttelnd [siehe transdisziplinär]

J

K

Kollektiv | 1. Ein Team aus mehreren Beteiligten, die gleichberechtigt ein Projekt erarbeiten und bezüglich der Autorenschafts als Gruppe auftreten | 2. Le Corbusier, Mies van der Rohe, Walter Gropius u.a.; bspw. die grossen Meister, die als Einzelautoren auftreten, aber oftmals im Kollektiv [meist mit Frauenfiguren – Charlotte Perriand, Lilly Reich, Marianne Brandt u.a.] arbeiten

L M N

O

Objekt | lateinisch obiectum, das Entgegengeworfene. Es unterscheidet sich in seiner Passivität und Objektivität vom Subjekt

P

Planende, die | ist eine Person, die plant und einen Plan zu haben scheint; ihre Bezeichnung nimmt vorweg: Das Ende des Planens und des Planes | Planende, das

Q R

S

Spezialist | der das Spezielle allumfassend Wissende; der Architekt der Gegenwart; Phänomen, das mit der zunehmenden Komplexität einhergehen muss; Entwicklung, die eine Berechtigung des Architekten der Zukunft in Frage stellt [siehe Universalist] 

 

Squares | «I always start with squares no matter what the problem is.» Louis I. Kahn: Complete Work 1935–1974, 1987

T 

transdisziplinär | nicht nur zwischen den Disziplinen agierend [siehe interdisziplinär], sondern die Grenzen eigener und fremder Disziplinen aufhebend

U

Universalist | der das wenig Universale allumfassend Wissende; Architekt der Vergangenheit [siehe Spezialist]

 

Ursprung | ursprüngliche Bedeutung Quelle, Nominalbildung von erspringen, heute entspringen; etwas, aus dem heraus sich etwas entwickelt, dem etwas entspringt

 

Utopie | geistiger Inhalt, der nicht umsetzbar ist, sich aber oft als solcher tarnt [siehe Gedankenwerk]

V

Vokabularium | fortlaufende, selektive Sammlung von Inhalten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit; fragmentarischer Wortschatz, der Modifikationen zulässt

Werk | Was ist das Werk des Architekten? Architekten schaffen keine Bauwerke, sondern Repräsentationen dieser; Intention, Repräsentation, Projektion und Objekt weichen voneinander ab

X Y

Z

Zeitlosigkeit | 1. «And I believe that all things of quality have this timelessness, in architecture, in music, in literature.» Gerhard Richter, Interview with Nicholas Serota, 2012 | 2. Zeitlosigkeit im wortwörtlichen Sinn existiert nicht; es gibt nichts, was nicht an eine Zeit gebunden oder ohne Zeit ist | 3. Qualität des Unkonkreten? Etwas, das allen Geschmäckern zu jeder Zeit gerecht werden will

 

Zersiedlung | Oxymoron? Gegenteilige Entwicklung des ursprünglichen, zweckbestimmten sich Zusammentuns, sich eng beieinander miteinander Niederlassens

 

Zufall | «Am Ende ist es immer das Fällige, was uns zufällt.» Max Frisch, in: Tagebuch 1946–1949, 1985

 

Zusammenschluss | 1. Mehrere beschliessen, sich zu Einem zusammen zu tun | 2. Mehrere beschliessen, sich als Individuen zusammen zu tun


 

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